Wissenschaftliches Arbeiten – Einführung

3. Lern- und Arbeitsformen im Studium

„Verachte mir nicht das Studieren, willst du auch instinktiv das Rechte. – Gar mancher weiß wohl, was er möchte, doch kann er es nicht buchstabieren.“ (Mascha Kaleko)

In der Schulzeit lernt man manches beiläufig, weil man ja hingehen muss. Die eigene Aktivität ist zwar auch gefordert und fördert den Lerneffekt, aber sie ist nicht so zentral wie im Studium. Da wird von Anfang an eigene Aktivität verlangt. Teilnahmepflicht ist die Ausnahme. In der Regel müssen Sie selbst entschieden hingehen (oder wegbleiben); jede(r) Studierende selbst muss aktiv zuhören, mitschreiben, Material sammeln, ordnen, strukturieren, ergänzend lesen … Und in Zeiten des E-Learnings wird die Herausforderung an Eigeninitiative noch deutlich größer.

Dazu wollen die folgenden Texte und Übungen Anregung geben:

3.1 Eigene Aktivitäten
3.2 Lerntypen
3.3 Effektives Lernverhalten
3.4 Rezeptionsformen

3.1 Eigene Aktivitäten

„Viel lesen und nicht durchschauen ist viel essen und nicht verdauen.“
(Sprichwort)

… Lesen, Ideenfindung, Materialsammlung (Brainstorming, Mindmap …), Ordnung schaffen, Strukturierung … Lernen geschieht zwar auf der Basis eines Angebotes (und ist somit auch von dessen Qualität abhängig), ist aber in erster Linie eine Aktivität des Lernenden. Er/sie muss lernen wollen (Motivation) und sich aktiv und eigentätig mit dem Angebot auseinandersetzen.
Am Anfang des Studiums ist es wichtig, sich mit den (eigenen) Studienzielen auseinander zu setzen und sein Studium zu planen. Zur Reflexion und ev. zur Diskussion mit anderen Studierenden dienen die folgenden Arbeitsblätter:

Sie sind im Studium und in der späteren Praxis immer wieder gefragt, nicht nur zu reproduzieren, sondern aktiv etwas zu entwickeln. Damit man nicht vergebens vor einem leeren Blatt Papier brütet, gibt es einige Methoden, um seine Assoziationen und Gedanken zu Papier zu bringen und dann mit diesem Material zu arbeiten.
Ideenfindung, Materialsammlung
Vieles wird im Studium nicht fertig angeboten, sondern man muss es selbst strukturieren, die verschiedenen Elemente miteinander verknüpfen und Ordnung in die Vielfalt bringen. Zur Strukturierung im Inneren gehört äußere Ordnung.
Ordnung
Die Materialien, die man während des Studiums ansammelt bzw. verfasst, brauchen eine Ordnung, egal ob in Heftern und Ordnern im Regal oder als Dateien im Computer. Diese Ordnung sollte folgenden Merkmalen folgen:

  • Sich an der Struktur des Studiums orientieren und für jedes Lehrgebiet einen Ordner anlegen
  • Verfasser- und Autorendatei
  • Schlagwort- oder Stichwortdatei
  • Exzerpt- oder Lesedatei
  • Eigene Bibliothek und Literaturdatei
  • Markante Zitate und geflügelte Worte
  • Fachtermini, Fremdworte, Abkürzungen

Digitale Speicherung bietet den riesigen Vorteil, dass man sehr schnell und nach allen möglichen Stichworten sein Archiv durchsuchen kann; aber das ersetzt keine Ordnung (und vor allem kein sinnvolles Sicherungssystem). Für die Arbeit mit Literatur ist als dauerhafte Lösung ein Literaturverwaltungsprogramm zu empfehlen; damit kann man weit mehr machen als nur Literaturbelege verfassen. Aber man braucht etwas Zeit (Motivation und Mühe), um sich in ein Programm einzuarbeiten.

Empfehlung: z.B. Citavi, die Basisversion ist kostenlos, sehr viele Hochschulen haben Campuslizenzen für ihre Studierenden (leider noch immer nicht für Mac-User, Alternative: Mendeley).

3.2 Lerntypen

„Die Guten lernen von den Schlechten stets mehr, als die Schlechten von den Guten.“ (Sprichwort)

Lernen ist ein Kernbegriff der Pädagogik und meint: sich Verhaltensweisen, Wissen oder Können aktiv anzueignen. Das ist mit einer dynamischen Veränderung der kognitiven Strukturen des Individuums verbunden und ein bewusster, teils auch unbewusst ablaufender Prozess in der Abfolge: Wahrnehmung, Erkennen, Bewerten, Entscheiden, Speichern, Verhalten. Begreift man Studieren als Lernprozess, dann setzt das notwendig Eigenaktivität voraus: mit-, nach- und selbständig denken, sich auseinandersetzen mit dem „Stoff“, sich aktiv Kompetenzen aneignen.

Strategische Lernvorgänge

  • Vom Bekannten zum Unbekannten
  • Vom Einfachen zum Komplizierten
  • Umfangreiches aufteilen und gliedern
  • Auswahl treffen und Wichtigkeit bewerten
  • Vergleichen, Koordinieren, Systematisieren
  • Begriffe klären
  • Unstimmigkeiten aufgreifen und beseitigen
  • Integrieren in das eigene Denksystem

Am Lernprozess sind Sinnesorgane und Gehirnregionen in unterschiedlichem Maße beteiligt. Es gibt unterschiedliche Differenzierungen von sogenannten Lerntypen, die ihren Schwerpunkt jeweils auf eine Sinnesmodalität und eine entsprechende Variante von Lernangeboten legen. Aber diese Klassifizierung, manche sagen auch „Schubladendenken“, taugt nur bedingt, da die meisten Menschen wohl eher „Mischtypen“ sind und je nach Lerngegenstand und Situation unterschiedlich lernen. Es gibt auch wissenschaftlich keine überzeugenden Belege, dass Lernangebote, die an angenommene Lerntypen angepasst sind, zu besseren Ergebnissen führen. Trotzdem kann eine Selbsteinschätzung zu bevorzugten Lernstilen hilfreich sein – und das ist auch in der Lernpsychologie der bevorzugte Begriff. Ein Modell von vier Lerntypen geht auf Frederic Vester (Denken, Lernen, Vergessen, Stuttgart: dva 1975) zurück.

Auditiv – Dieser Lerntyp lernt vor allem über Hören und Sprechen; mancher bewegt beim Lesen die Lippen oder liest sich schwierige Stellen laut vor, das wäre ein Hinweis auf diesen Lerntyp. Wer in seiner Kindheit viel zugehört hat (beim Vorlesen von Geschichten, Hörspielkassetten etc.), wer gern z.B. mit musikalischer Umsetzung lernt, der neigt vielleicht auch zu diesem Typ.

Visuell – Dieser Lerntyp vertraut vor allem dem, was er/sie sieht. Informationen werden in und mit Bildern besser aufgenommen. Wer sich viel Notizen macht und gern dazu Skizzen oder Grafiken anfertigt, neigt vielleicht diesem Lerntyp zu. Er/sie wird sich oft auch bei Informationen daran erinnern, wo und in welchem Kontext sie „visuell“ standen. Lesen, Puzzeln, Memory z.B. fördern diesen Lerntyp. Bildhafte Ausdrucksformen und gute Detailorientierung sprechen für diesen Typ.

Motorisch, haptisch – Dieser Lerntyp ist eher praktisch veranlagt und setzt Impulse und Anregungen schnell in Aktionen um (manchmal ohne lange nachzudenken). Menschen dieses Typ bewegen sich i.d.R. auch gern, gestikulieren eher beim Sprechen, benutzen die Finger beim Rechnen, zeigen große Motivation zum Experimentieren und Tun.

Kommunikativ, personorientiert – Dieser Lerntyp kann gut reden und zuhören und ist entsprechend in der Schule bei Lehrern beliebt. Er/sie lernt gern im Austausch mit anderen und bevorzugt Gruppenarbeiten gut. Eine Variante ist in der Lernmotivation eher abhängig von der Sympathie, die er zu den Lehrpersonen aufbauen kann. Eher schlechte Beziehungen stellen für diesen Typ ein Lernhindernis dar. Manchmal ist für solche Typen auch eine gewisse Zurückgezogenheit oder eine Neigung zu Selbstzweifeln kennzeichnend.

Der Medienpädagoge wird natürlich gern einen weiteren Lernstil ergänzen, der vor allem in Zeiten von Digitalisierung und Mediatisierung vorteilhaft ist. Medienorientiert – Dieser Lernstil ist eher selbstorganisiert und kann entsprechend eigenständig mit guten Medienangeboten lernen. Das entspricht auch einem ergebnisorientierten und weniger spiel- oder spaßorientierten Typ der Mediennutzung. Der Gewinn aus einer vielfältigen Mediennutzung und einem entsprechenden Angebot kann relativ hoch sein. Bei E-Learning-Angeboten ist dieser Lernstil sehr vorteilhaft.

Und Kulturpädagogik betont eine Perspektive: Lernen mit allen Sinnen ist immer gut und meistens besser.

Im Netz finden sich viele Lerntypen-Tests, von denen jedoch wohl keiner wissenschaftlichen Standards genügen kann. Trotzdem kann es nicht schaden, etwas über sich zu erfahren (man muss den Ergebnissen ja nicht glauben!) > Lerntypen-Test

3.3. Effektives Lernverhalten


„Zum Lernen ist niemand zu alt.“
„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“
„TEAM: Toll, ein anderer macht‘s.“
(Sprichworte)

Lernen im Studium und später begleitend zur beruflichen Tätigkeit als sogenannte Fort- und Weiterbildung ist anders als das weitgehend reproduzierende Lernen in der Schule. Sie müssen selbst aktive und für Sie persönlich effektive Lerntechniken erproben und sich aneignen, ihren Lernstil finden. Verschiedene Veranstaltungstypen in Hochschule und Weiterbildung verlangen verschiedene Lerntechniken.

Beim Lernen im Studium sind in erster Linie Hör- und Sehsinn gefragt. Aber Rezeptionsformen sind nur die eine Seite, das eigene Tun hat bei den meisten Menschen in der Regel den höchsten Lerneffekt.

Vor allem gilt auch beim Denken und bei aller Rationalität: Emotionen sind immer beteiligt, einfach gesagt: Lust und Unlust, der Spaß an der Sache. Das wird kein Lehrer und kein Material für Sie regeln, die werden allenfalls Anregungen sein. Sie müssen sich schon selbst aufraffen, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden. Wenn es Probleme in der Familie oder anderen Beziehungsstress gibt, ist in der Regel die eigene Lernfähigkeit beeinträchtigt.

Rezeptionsformen wie Hören und Sehen, dazu gehört auch Lesen, werden von äußeren und inneren Faktoren beeinflusst.

  • Äußere Faktoren: akustische, optische, atmosphärische, physikalische Faktoren an ihrem Arbeitsplatz, aber auch im Seminarraum, in der Bibliothek etc.
  • Innere Faktoren: Motivation und innere Bereitschaft sich einzulassen sowie Angemessenheit des Angebots: Ist der Informationsgehalt höher als ihre Aufnahmekapazität, schaltet man leicht ab (und schaut z.B. auf das Smartphone) = Überforderung. Ist der Informationsgehalt niedriger als das Aufnahmevermögen, gilt ein entsprechendes Ausweichverhalten mit verschiedenen Formen gedanklichen Abschweifens = Unterforderung.

Im Langzeitgedächtnis speichern wir eher, was mit starken Gefühlen einherging. Positive Emotionen befördern das Lernen. (An-)Spannung, Konzentration, sogenannter „Eu“-Streß sind gut, aber (Dis-) Streß behindert fast jeden Lernprozess.

Wir lernen dann gut, wenn wir

  • entspannt, aber konzentriert sind,
  • Informationen mit Emotionen verbinden,
  • visuelle, akustische und praktische Impulse kombinieren,
  • unsere individuellen Lernfähigkeiten und Denkweisen einsetzen können.

Wenn Sie mit dem Begriff und Lernangebot „E-Learning“ noch nicht viel anfangen können, probieren Sie einmal diesen kleinen Learning-Snack.

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